1.4 Warum Drohnen?
1.4 Warum Drohnen?
Agrardrohnen im Vergleich zu Satelliten, Flugzeugen und Hubschraubern
Einleitung
Die Erfassung landwirtschaftlicher Flächen aus der Luft ist keine neue Idee. Bereits in den 1930er-Jahren wurden Luftbildkameras zur Kartierung von Ackerflächen eingesetzt. Mit der Entwicklung der Raumfahrt kamen Satellitensysteme hinzu, die eine regelmäßige Beobachtung der Erdoberfläche ermöglichten. Später ergänzten bemannte Flugzeuge und Hubschrauber die Möglichkeiten der Fernerkundung.
Heute haben sich unbemannte Luftfahrzeuge (Unmanned Aerial Vehicles, UAV) als eigenständige Plattform etabliert. Agrardrohnen schließen die Lücke zwischen Satelliten und bemannten Luftfahrzeugen: Sie liefern hochauflösende Daten, sind flexibel einsetzbar und verursachen vergleichsweise geringe Betriebskosten.
Die Wahl des geeigneten Systems hängt jedoch von der jeweiligen Aufgabenstellung, der Flächengröße und den gewünschten Informationen ab.
Fernerkundung in der Landwirtschaft
Unter Fernerkundung versteht man die berührungslose Erfassung von Informationen über Objekte oder Flächen. In der Landwirtschaft dient sie dazu, Pflanzenbestände, Bodenverhältnisse und Umweltparameter aus der Distanz zu analysieren.
Je nach Anwendung kommen unterschiedliche Plattformen zum Einsatz:
- Satelliten
- bemannte Flugzeuge
- Hubschrauber
- Drohnen
Alle Systeme liefern wertvolle Daten, unterscheiden sich jedoch erheblich hinsichtlich Auflösung, Kosten, Flexibilität und Aktualität.
Satelliten
Satelliten bilden die Grundlage vieler globaler Erdbeobachtungsprogramme. Systeme wie Copernicus Sentinel, Landsat oder kommerzielle Erdbeobachtungssatelliten liefern regelmäßig aktuelle Aufnahmen landwirtschaftlicher Flächen.
Vorteile
Satelliten decken sehr große Gebiete ab und ermöglichen langfristige Zeitreihen. Dadurch lassen sich Veränderungen der Vegetation über Jahre hinweg dokumentieren.
Weitere Vorteile sind:
- globale Verfügbarkeit
- regelmäßige Wiederholungsaufnahmen
- große Flächenabdeckung
- häufig kostenfreie Datensätze (z. B. Copernicus)
Satellitendaten eignen sich besonders für:
- großflächige Vegetationsanalysen
- Klimaforschung
- Ertragsprognosen
- regionale Entwicklungen
Nachteile
Für viele landwirtschaftliche Anwendungen besitzen Satelliten jedoch Einschränkungen.
Dazu gehören:
- begrenzte räumliche Auflösung
- wetterabhängige Bildqualität
- Wolkenbedeckung
- feste Überflugzeiten
- keine kurzfristigen Einsätze
Insbesondere während kritischer Vegetationsphasen können mehrere Tage ohne verwertbare Aufnahmen vergehen.
Flugzeuge
Bemannte Flugzeuge werden seit Jahrzehnten für Luftbildaufnahmen und Vermessungsaufgaben eingesetzt.
Sie besitzen eine hohe Reichweite und können große Flächen innerhalb kurzer Zeit erfassen.
Typische Einsatzgebiete:
- Landesvermessung
- Orthofotoerstellung
- Forstwirtschaft
- Infrastrukturprojekte
- großflächige Agraranalysen
Vorteile
- hohe Fluggeschwindigkeit
- große Flächenleistung
- professionelle Sensorsysteme
- hohe Nutzlast
Nachteile
- hohe Betriebskosten
- aufwendige Einsatzplanung
- Flughafennutzung erforderlich
- geringe Flexibilität
- wirtschaftlich erst bei großen Projekten
Für einzelne landwirtschaftliche Betriebe sind Flugzeuge daher meist nicht wirtschaftlich.
Hubschrauber
Hubschrauber ermöglichen langsame Überflüge und punktgenaue Inspektionen.
Sie kommen beispielsweise zum Einsatz bei:
- Wildtierrettung
- Infrastrukturkontrollen
- Spezialvermessungen
- Filmaufnahmen
Vorteile
- stationäres Schweben möglich
- hohe Nutzlast
- flexible Flughöhe
- große Sensorvielfalt
Nachteile
- sehr hohe Betriebskosten
- hoher Kraftstoffverbrauch
- starke Lärmbelastung
- aufwendige Wartung
- wirtschaftlich nur für Spezialaufgaben
Agrardrohnen
Agrardrohnen vereinen zahlreiche Vorteile der genannten Systeme.
Sie können innerhalb weniger Minuten gestartet werden und liefern hochauflösende Daten genau dann, wenn sie benötigt werden.
Moderne UAV-Systeme verfügen über:
- automatische Flugplanung
- RTK-GNSS
- Multispektralkameras
- Thermalkameras
- LiDAR
- Telemetrie
- autonome Missionsplanung
Dadurch eignen sie sich hervorragend für Precision-Farming-Anwendungen.
Typische Einsatzgebiete
- Pflanzenmonitoring
- Schadensanalyse
- Bewässerungskontrolle
- NDVI-Erstellung
- Rehkitzrettung
- Schädlingsmonitoring
- Ertragsprognosen
- Dokumentation von Extremwetterereignissen
Vorteile von Agrardrohnen
Hohe räumliche Auflösung
Je nach Flughöhe können Bodenauflösungen von wenigen Zentimetern pro Pixel erreicht werden.
Dadurch lassen sich selbst einzelne Pflanzen detailliert analysieren.
Flexible Einsatzplanung
Der Landwirt entscheidet selbst über den Flugzeitpunkt.
Aktuelle Informationen stehen unmittelbar nach dem Flug zur Verfügung.
Geringe Betriebskosten
Im Vergleich zu Flugzeugen oder Hubschraubern entstehen deutlich geringere Investitions- und Betriebskosten.
Hohe Automatisierung
Moderne Flugsteuerungen übernehmen:
- Missionsplanung
- Navigation
- Bildüberlappung
- Telemetrie
- automatische Rückkehr
- Sicherheitsfunktionen
Nachteile von Agrardrohnen
Auch Drohnen besitzen technische Grenzen.
Dazu zählen:
- begrenzte Flugzeit
- wetterabhängiger Einsatz
- gesetzliche Vorgaben
- begrenzte Nutzlast
- Akkumanagement
- Datenauswertung erforderlich
Insbesondere Wind, Regen und starke elektromagnetische Störungen können die Einsatzmöglichkeiten einschränken.
Vergleich der Systeme
|
Kriterium |
Satellit |
Flugzeug |
Hubschrauber |
Agrardrohne |
|
Flächenleistung |
sehr hoch |
hoch |
mittel |
gering bis mittel |
|
Auflösung |
mittel |
hoch |
hoch |
sehr hoch |
|
Aktualität |
gering |
mittel |
hoch |
sehr hoch |
|
Einsatzplanung |
keine |
hoch |
hoch |
sehr gering |
|
Betriebskosten |
sehr gering |
hoch |
sehr hoch |
gering |
|
Wetterabhängigkeit |
hoch |
mittel |
mittel |
mittel |
|
Wiederholbarkeit |
hoch |
mittel |
hoch |
sehr hoch |
|
RTK-Unterstützung |
nein |
optional |
optional |
ja |
|
Multispektral |
teilweise |
ja |
ja |
ja |
|
Thermografie |
teilweise |
ja |
ja |
ja |
|
NDVI |
ja |
ja |
ja |
ja |
|
Teilflächenspezifische Analyse |
eingeschränkt |
gut |
gut |
sehr gut |
Wirtschaftliche Betrachtung
Die Wirtschaftlichkeit eines Fernerkundungssystems hängt wesentlich von der Betriebsgröße und dem Anwendungsfall ab.
Während Satelliten hervorragend für großräumige Analysen geeignet sind und Flugzeuge ihre Stärken bei landesweiten Vermessungen ausspielen, bieten Agrardrohnen insbesondere für landwirtschaftliche Betriebe den größten Nutzen.
Bereits wenige regelmäßige Befliegungen pro Vegetationsperiode können ausreichen, um Schäden frühzeitig zu erkennen, den Einsatz von Betriebsmitteln zu optimieren und Ertragseinbußen zu vermeiden.
Durch den Einsatz offener Softwarelösungen wie OpenDroneMap, QGIS, ArduPilot, PX4 oder INAV lassen sich zudem leistungsfähige Gesamtsysteme mit vergleichsweise geringen Investitionskosten realisieren.