MAI 27 2019

Zum Schutz der digitalen Bohème brauchen wir neue Copyright-Gesetze.

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Das Internet und die digitalen Technologien entwickeln sich rasant. Viele andere Bereiche der Gesellschaft können bei diesem Tempo nicht mithalten. Daraus ergeben sich so einige Probleme. Besonders zu spüren bekommt die digitale Bohème das im Bereich des Urheberrechts.

Das Urheberrecht, das in Deutschland gilt, ist für die heutige digitale Zeit einfach nicht mehr angemessen. Kreative Werke beruhen heute viel stärker als je zuvor auf dem Kopieren, Einbauen, Sampeln und Zitieren von fremden Werken. Memes zum Beispiel würden überhaupt nicht funktionieren, wenn jeder, der eines verwendet, dem ursprünglichen Urheber dafür eine Lizenz bezahlen müsste.

Die alten Urheberrechte bedrohen die Kreativen und Künstler von heute mit horrenden Kosten für die Verwendung von Musik oder anderen Elementen. Der Dokumentarfilm Tarnation aus dem Jahr 2004 wurde z.B. mit einer Digitalkamera aufgenommen und hatte Produktionskosten von insgesamt 218 Dollar. Doch für die Musik, die in dem Film verwendet wurde, mussten die Filmemacher insgesamt 400.000 Dollar Lizenzgebühren bezahlen. Es ist offensichtlich, dass wir hier einen Weg finden müssen, die neuen Kunstformen zu fördern und gleichzeitig dem ursprünglichen Rechteinhaber einen gerechten Beitrag für sein Werk zukommen zu lassen.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sind die Creative Commons, die Lawrence Lessig, ein Juraprofessor in Stanford, zusammen mit einigen Kollegen entwickelt hat. Dabei handelt es sich um Lizenzmodellverträge, die ein sehr viel breiteres Spektrum des Erlaubten und Eingeschränkten abdecken. Mit ihrer Hilfe kann der Urheber z.B. festlegen, dass sein Bild gratis weiterverwendet werden darf, wenn es unverändert und gemeinsam mit seinem Namen erscheint. Heute wird diese Möglichkeit vor allem von Bloggern verwendet. Wenn sie weiter verbreitet wäre, wäre mehr Kreativität im Internet möglich.

Denn darum geht es doch eigentlich im Internet: Wir haben freien Zugriff auf unendlich viele Daten, Bilder, Töne und Texte. Dadurch wurde bis heute eine Unmenge an Kreativität freigesetzt. Der Medienwissenschaftler Douglas Rushkoff bezeichnet unsere Zeit sogar als eine neue Renaissance. Es wäre schade, wenn wir sie durch veraltete Rechtsprechung ausbremsen würden.

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