APR 13 2019

Universitäten sollten ihre Studenten durch interdisziplinäre und praxisnahe Aufgaben auf die Arbeitswelt vorbereiten.

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Das heutige Studiensystem leidet an ähnlichen Problemen wie die Schulen. Ergebnisse werden in Credit Points gesammelt, Wissen wird frontal vermittelt und Theorie wird selten in die Praxis umgesetzt. Auch Studenten sind schlecht auf die Welt nach dem Studium vorbereitet.

Dabei sind in einer Universität zahlreiche Möglichkeiten vorhanden, Network Thinking anzuwenden. Die Zusammenarbeit zwischen den Forschungsdisziplinen bietet hierfür eine Grundlage. In den USA ist das Institute of Design der Stanford d.school eines der Leuchtturm-Projekte für angewandtes Netzwerkdenken. Studierende aus unterschiedlichen Fachbereichen kommen hier zusammen, um an praxisnahen Fragestellungen der Zukunft zu arbeiten.

Auch in Deutschland sehen wir ähnliche Entwicklungen. 2005 schlossen sich Professoren aus verschiedenen Bereichen zusammen, um solch einen multidisziplinären Studiengang aufzubauen. Daraus entstand die School of Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Einzelleistungen werden dort nicht bewertet, stattdessen liegt der Fokus auf Teamarbeit. Jedes Team besteht aus Mitgliedern unterschiedlicher Fachbereiche, die sich gegenseitig ergänzen.

Weiterhin ist die Orientierung am echten Leben eine wichtige Grundlage für diese neue Art des Hochschulstudiums. Die Stanford d.school arbeitet beispielsweise jedes Semester mit neuen Projektpartnern, also Unternehmen und NGOs, zusammen. So können sich die Studierenden an praxisnahen Herausforderungen versuchen. Sie werden sowohl von Professoren als auch von Vertretern aus Politik, Industrie und Gesellschaft unterstützt.

Eine praxisnahe Aufgabe einer NGO lag z.B. darin, die Überlebenschancen von Frühgeborenen in ärmeren Landstrichen Indiens zu erhöhen. Dort stehen meist keine kostspieligen Brutkästen zur Verfügung. Die Studenten fanden heraus, dass viele Neugeborene bereits auf dem Weg ins Krankenhaus starben, weil die Mütter diesen meist zu Fuß zurücklegen müssen. Sie suchten daher eine mobile Lösung, um das Baby auf dieser Strecke warmzuhalten.

Sie entwickelten eine Art Schlafsack, bestehend aus einem komplexen Wärmespeicher und sterilem Material, der das Neugeborene auf dem Weg ins Krankenhaus schützt. Mittlerweile wird das Produkt von dem Unternehmen Embrace produziert, das von Studierenden gegründet wurde.

Angewandtes Network Thinking an Universitäten gibt Studenten die Möglichkeit, interdisziplinär und kooperativ zu arbeiten, wodurch sie für das Arbeitsleben wichtige Fähigkeiten erlernen und innovative Ideen entwickeln können.

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