APR 28 2019

Ich sehe was, was du nicht siehst: Seiten wie Google und Facebook sind nicht neutral

Kritik, Wissen

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Es ist zwar theoretisch möglich, jede einzelne Webseite über Google zu finden, aber die Praxis sieht leider anders aus. Denn Googles Suchalgorithmen zensieren die Ergebnisse, die die Firma nicht weiterverbreiten möchte. Das gleiche gilt für Facebook und andere große Player im Netz.

Ein gutes Barometer für die Trends auf Google sind die Autocomplete-Vorschläge: Sobald wir einen Suchbegriff eingeben, bekommen wir vorgeschlagen, nach was wir suchen sollen. Anscheinend handelt es sich dabei um neutral erstellte Listen von Begriffen, nach denen schon viele andere vor uns gesucht haben. Tatsächlich aber werden diese Listen genau wie die Reihenfolge der Suchergebnisse von verschiedenen Seiten beeinflusst.

Einerseits ist es natürlich möglich, Menschen für bestimmte Suchanfragen zu bezahlen oder bestimmte Webseiten verlinken. Mit Crowdsourcing ist das heute kein Problem mehr. Wer genug Geld hat, kann also ohne Weiteres seine Position bei Google verbessern und Inhalte in die Autocomplete-Funktion einschmuggeln.

Andererseits manipuliert Google die Suchergebnisse und die Autocomplete-Funktion auch selbst: So sind die Vorschläge und Ergebnisse etwa davon beeinflusst, welche Seiten der jeweilige Nutzer bei vorherigen Anfragen präferiert – wie die meiste Online-Werbung sind also auch die Google-Suchergebnisse personalisiert. Nehmen wir beispielsweise an, ein Landwirt mit Legehennen, der seinen Computer häufig für Zuchtrecherchen nutzt, und ein Hobbyhandwerker, der seit langem Inspiration für die Umgestaltung seines Badezimmers sucht, geben bei Google jeweils den Begriff „Hahn“ ein. Die Seiten, die ihnen zuerst angezeigt werden, unterscheiden sich mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich von den Top-Vorschlägen des anderen.

Darüber hinaus zensiert Google angeblich bestimmte illegale Seiten, indem sie weiter unten in den Ergebnissen angezeigt werden, und bevorzugt andere von zahlenden Partnern, indem diese etwas weiter oben in der Liste auftauchen. Die dem zugrundeliegenden Algorithmen sind jedoch hoch komplex, werden ständig verändert und enthalten geheime Variablen, die Google nicht preisgibt. Über das Ausmaß der Beeinflussung lassen sich somit keine sicheren Aussagen treffen.

Bei anderen Webseiten sieht es ähnlich aus. Wir überschätzen ständig die Neutralität des Internets. Jetzt müssen wir der Wahrheit ins Gesicht sehen: Das, was uns bei Google, Facebook und Youtube angezeigt wird, sind nicht die allgemeinen Trends im Internet. Es ist das, was die Unternehmen uns zeigen wollen.

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