NOV 07 2019

Das Denken in Daten birgt Fallstricke und sollte nicht die einzige Perspektive auf die Welt bleiben.

Wissen

Es gibt noch einen weiteren problematischen Aspekt von Big Data, den wir nicht aus den Augen verlieren sollten: Das umfassende Vertrauen in Daten kann dazu führen, dass wir den Daten zu viel Aufmerksamkeit schenken, und der Realität zu wenig.

Daten sind immer nur eine Darstellung der echten Welt und wir müssen aufpassen, dass wir ihnen nicht zu viel Bedeutung beimessen. Das beste Beispiel dafür sind automatisierte und standardisierte Tests an Schulen. Diese haben viele Vorteile, z.B. führen sie dazu, dass Schulen untereinander vergleichbar werden, und verhindern, dass Lehrer den Schülern, die sie nicht mögen, schlechtere Noten geben.

Andererseits bergen diese Tests aber auch die große Gefahr, dass sich Lehrer und Schüler nur noch darauf konzentrieren, möglichst gute Ergebnisse zu erzielen. Die eigentlichen Inhalte und die Qualität der Ausbildung rücken dadurch in den Hintergrund.

Ein anderes Beispiel für den Daten-Fallstrick lieferte der ehemalige US-Außenminister Robert McNamara. Beim Erstellen seiner Strategie für den Vietnam-Krieg konzentrierte er sich vor allem auf eine einzige Zahl: die Gefallenen der Gegenseite. Sobald diese Zahl stieg, hielt er eine Strategie für erfolgreich und setzte sie weiter um. Das Problem war, dass er dabei die Realität des Krieges aus den Augen verlor. Die vietnamesische Zivilbevölkerung und die Soldaten beider Seiten zahlten dafür einen bekanntlich hohen Preis. Wie sich herausstellte, waren die Zahlen zudem falsch. In der Hoffnung, ihren Vorgesetzten und damit im Endeffekt McNamara selbst, zu gefallen, berichteten die Befehlshaber der einzelnen Operationen geschönte Zahlen. Damit war die Aussagekraft dieser Daten dahin.

Über 40 Jahre nach Ende des Vietnamkriegs haben wir natürlich viel mehr Daten, und die Gefahr wird größer, dass wir sie überbewerten. Big Data bieten riesige Chancen und wichtige neue Erkenntnisse, aber wir dürfen uns nicht blenden lassen. Es ist wichtig, immer wieder einen Schritt zurückzutreten und zu überprüfen, ob die Daten unsere Werte und Normen verletzen oder vielleicht gar nicht das widerspiegeln, was wir meinen. Denn wenn dies der Fall ist, können sie unser Verhalten so beeinflussen, dass es mehr Schaden anrichtet, als Gutes zu tun.

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