Aktuelle Datenschutzbestimmungen und Anonymisierungsverfahren sind nicht effizient.

Wir haben bisher vor allem über die fantastischen Möglichkeiten gesprochen, die Big Data uns bieten. Aber es ist natürlich nicht alles Gold, was glänzt. Das Phänomen bringt auch viele Aspekte mit sich, die besorgniserregend sind.

Einer dieser Punkte betrifft den Datenschutz. Big Data entwickeln sich so schnell, dass weder die öffentlichen Regulierungen, noch die Nutzer hinterherkommen, den Überblick zu bewahren und für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Daten zu sorgen.

Hand aufs Herz: Wer liest sich z.B. wirklich die Geschäftsbedingungen durch, die wir oft mit einem Klick akzeptieren müssen, bevor wir uns irgendwo anmelden oder eine Aktualisierung herunterladen? Und selbst wenn, wer würde seinen Facebook-Account löschen oder auf sein Online-Banking verzichten, weil in den Geschäftsbedingungen ein Satz steht, mit dem er nicht einverstanden ist?

Die aktuellen Datenschutzgesetze verlangen, dass wir darüber informiert werden, welche Daten von uns zu welchem Zweck gesammelt werden, und dass wir uns damit einverstanden erklären müssen. Wenn ein Unternehmen Daten von uns weitergeben will, ist es verpflichtet, diese vorher zu anonymisieren: Alle persönlichen Details, die unsere Privatsphäre betreffen, müssen entfernt werden. Das ist im Prinzip ein wichtiger Grundsatz, aber so leider nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

Denn zum einen verhindern die Regulierungen, dass Daten für andere Zwecke verwendet werden, als die ursprünglich geplanten. Wenn heute einem Unternehmen auffällt, dass sie mit den Daten noch etwas anderes machen könnten, muss es dafür erneut die Zustimmung aller User einholen. Dadurch werden viele nützliche Anwendungen unmöglich gemacht.

Zum anderen sind die Verfahren zur Anonymisierung nicht sicher. AOL veröffentlichte z.B. 2006 einen ganzen Berg alter, anonymisierter Suchbegriffe, in der Hoffnung, dass irgendjemand daraus noch spannende Erkenntnisse ziehen könnte. Die New York Times prüfte, ob die Anonymisierung sicher war, und veröffentlichte nur einige Tage später Name, Adresse und Alter einer der betroffenen Nutzerinnen.

Sowohl die legalen als auch die technischen Mittel zum Datenschutz halten aktuell mit der hohen Geschwindigkeit der Big Data-Entwicklung kaum Schritt – hier liegt nicht nur eine Aufgabe für den Staat und die Forscher, sondern für uns alle: Wir sollten deshalb möglichst vorsichtig mit unseren Daten umgehen und uns gründlich darüber Gedanken machen, was wir von uns preisgeben wollen.

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