MAI 26 2019

Extraleben: Die Gamifizierung unseres Lebens führt zu ernsten Motivationsproblemen.

Kritik, Wissen

Die Verbindung der realen mit der virtuellen Welt durch Gamifizierung ist ein bedeutender Trend. Immer mehr Bereiche unseres Lebens werden durch Computer überwacht. Sie sagen uns, was der nächste Schritt ist, um unser Ziel zu erreichen, und belohnen uns, wenn wir ihn erfolgreich abschließen.

Auf Swarm etwa können wir Bürgermeister werden und bekommen eine Krone dafür, dass wir einen Ort häufiger besuchen als unsere Freunde. LinkedIn schenkt uns den Titel „Superstar“, wenn wir möglichst viele Informationen über unseren Lebenslauf angeben. Und eine Wii ist ein einziges Belohnungssystem.

Dieser Trend wird sich noch weiter verstärken: In einer Umfrage aus dem Jahr 2013 gaben 70% der größten Unternehmen an, dass sie planen, Gamifizierung in ihr Marketingkonzept aufzunehmen. Und durch neue Geräte, die unsere Bewegungen und Handlungen aufzeichnen, wird sie auch immer einfacher umzusetzen sein.

Das Problem an der Gamifizierung ist, dass sie uns dazu bringt, Ziele zu erreichen, um virtuelle Belohnungen zu erhalten. So verlieren wir unsere Fähigkeit, etwas aus eigenem Antrieb, mit intrinsischer Motivation zu tun. Wir handeln immer öfter auf eine bestimmte Art und Weise, um etwas dafür zu erhalten, und immer seltener, weil wir denken, dass es richtig ist, so zu handeln. Und das macht uns träge – denn intrinsische Motivation ist viel stärker als extrinsische Belohnungen. In einigen Ländern wurde z.B. damit begonnen, die Menschen für Blutspenden zu bezahlen, und die Zahl der Blutspender ging zurück. Viele Menschen wollen Blut spenden, weil sie es für richtig halten. Doch wenn sie wissen, dass andere dafür bezahlt werden, denken sie, es ist nicht mehr nötig, dass sie selbst spenden.

Die Gamifizierung wird also dazu führen, dass wir träge werden und uns nur noch dann bewegen, wenn eine Belohnung winkt. Es bleibt die Frage: Ist das wirklich die Art von Gesellschaft, in der wir leben wollen?

Die Solutionisten glauben, dass alle menschlichen Probleme durch Technologie gelöst werden können, doch sie liegen falsch. Das Internet wird uns nicht helfen, zu besseren Menschen zu werden und unsere Gesellschaft gerechter zu gestalten. Stattdessen birgt es für uns alle große Gefahren.

Was du konkret umsetzen kannst:

Suche mit Bedacht.

Wenn du das nächste Mal die Autocomplete-Vorschläge von Google siehst, denk darüber nach, ob sie wirklich das sind, wonach du suchst, und ignoriere sie, falls nicht. So kannst du verhindern, dass deine Wahrnehmung des Internets zu sehr von Google beeinflusst wird.

Schalte deinen Kopf ein.

Auch wenn du es gewohnt bist, dass eine App oder eine Webseite dir sagt, was du tun sollst, schadet es nicht, öfter mal selbst zu denken, und zu hinterfragen, ob die Ratschläge der Technik sinnvoll sind und zu deinem Leben passen. Sonst wirst du irgendwann deinen gesunden Menschenverstand einbüßen.

Achte darauf, dass du mit der richtigen Motivation handelst.

Dein Handeln ist immer entweder intrinsisch motiviert – wenn du etwas tust, weil du denkst, dass es richtig ist – oder extrinsisch – wenn du etwas tust, weil du eine Belohnung dafür erwartest. Willst du langfristig Erfolg haben, solltest du dafür sorgen, dass du aus einer intrinsischen Motivation heraus handelst, denn nur so wirst du auch motiviert bleiben.