1.9 Praxis
1.9 Praxis
Praxisbeispiele aus der Anwendung moderner Agrardrohnen
Einleitung
Die theoretischen Grundlagen der Präzisionslandwirtschaft bilden die Basis für den erfolgreichen Einsatz moderner Agrardrohnen. Ihren eigentlichen Nutzen entfalten diese Systeme jedoch erst im praktischen Einsatz. Jede Mission liefert wertvolle Informationen über Pflanzenbestände, Bodenverhältnisse oder technische Anlagen und ermöglicht eine datenbasierte Entscheidungsfindung.
Die folgenden Beispiele zeigen typische Arbeitsabläufe aus der Praxis. Sie orientieren sich an realen Projekten der Fernerkundung und Präzisionslandwirtschaft und können als Vorlage für eigene Anwendungen dienen. Gleichzeitig bieten sie Raum, um individuelle Erfahrungen, Messergebnisse und Fotos zu dokumentieren.
Projektplanung
Von der Aufgabenstellung zur Flugmission
Jede erfolgreiche Drohnenmission beginnt mit einer klar definierten Fragestellung.
Typische Ziele sind beispielsweise:
- Wie entwickelt sich ein Pflanzenbestand?
- Gibt es Bereiche mit Trockenstress?
- Sind Schäden durch Wild oder Sturm erkennbar?
- Ist die Düngung gleichmäßig erfolgt?
- Welche Flächen weisen Entwicklungsunterschiede auf?
Aus dieser Fragestellung ergeben sich die Anforderungen an Sensorik, Flugplattform und Auswertungsverfahren.
Beispiel 1 – Bestandsanalyse eines Getreidefeldes
Zielsetzung
Erfassung der Pflanzenentwicklung während der Vegetationsperiode.
Flugplattform
VTOL oder Multicopter
Sensorik
- RGB-Kamera
- Multispektralkamera
- RTK-GNSS
Missionsparameter
- Flughöhe: 80–120 m
- Bildüberlappung längs: 80 %
- Bildüberlappung quer: 70 %
- Fluggeschwindigkeit: 6–10 m/s
Auswertung
Nach der Mission werden die Bilder photogrammetrisch verarbeitet.
Ergebnisse:
- Orthofoto
- NDVI-Karte
- Pflanzenbestandskarte
- Vegetationszonen
Diese Informationen dienen als Grundlage für weitere Entscheidungen zur Düngung oder Bewässerung.
Praxisfeld: Hier kannst du später dein eigenes Orthofoto, eine NDVI-Karte und die Flugroute einfügen.
Beispiel 2 – Rehkitzrettung
Zielsetzung
Auffinden von Jungwild vor der Mahd.
Sensorik
- Wärmebildkamera
- RGB-Kamera
Flugzeit
Kurz nach Sonnenaufgang.
Vorgehensweise
- Rasterflug über die Fläche.
- Identifikation von Wärmequellen.
- Kontrolle durch das Einsatzteam.
- Sicherung der Tiere.
- Dokumentation der Fundorte.
Nutzen
- Schutz von Wildtieren.
- Vermeidung von Ernteverlusten.
- Dokumentation des Einsatzes.
Praxisfeld: Ergänze hier eigene Fotos der Wärmebildkamera, Einsatzprotokolle oder Karten mit den Flugbahnen.
Beispiel 3 – Schadenskontrolle nach Unwetter
Nach Starkregen, Hagel oder Sturm lassen sich Schäden häufig nur schwer vom Boden aus beurteilen.
Drohnen ermöglichen eine schnelle Übersicht über:
- Lagergetreide
- Erosionsschäden
- Überschwemmungen
- beschädigte Drainagen
- umgestürzte Bäume
- beschädigte Zäune
RGB-Aufnahmen dokumentieren die Schäden, während georeferenzierte Karten die spätere Planung von Reparaturmaßnahmen unterstützen.
Beispiel 4 – Photogrammetrie
Erstellung eines Orthofotos
Für eine Vermessungsmission werden hochauflösende RGB-Aufnahmen mit ausreichender Überlappung aufgenommen.
Typischer Workflow:
- Missionsplanung.
- Automatischer Rasterflug.
- Bildimport.
- Photogrammetrische Verarbeitung.
- Erstellung eines Orthofotos.
- Export nach QGIS.
Mögliche Software:
- OpenDroneMap
- WebODM
- QGIS
Beispiel 5 – Thermografie
Mit Thermalkameras können Temperaturunterschiede sichtbar gemacht werden.
Anwendungen:
- Trockenstress
- Leckagen
- Wildrettung
- Stallkontrolle
- Solaranlagen
- Bewässerungssysteme
Die Ergebnisse werden häufig mit RGB-Aufnahmen kombiniert.
Sensorik in der Praxis
Die Wahl der Sensoren richtet sich nach der jeweiligen Fragestellung.
|
Aufgabe |
Sensor |
|
Luftbilder |
RGB |
|
Pflanzenstress |
Multispektral |
|
Temperatur |
Thermal |
|
Höhenmodell |
LiDAR |
|
Vermessung |
RTK-GNSS |
In vielen Projekten werden mehrere Sensoren gleichzeitig eingesetzt. Die Kombination der Daten liefert wesentlich aussagekräftigere Ergebnisse als ein einzelner Sensor.
Typischer Projektablauf
Ein vollständiges Agrarprojekt gliedert sich meist in folgende Schritte:
- Aufgabenstellung definieren.
- Flugplattform auswählen.
- Sensorik konfigurieren.
- Flugmission planen.
- Sicherheitsprüfung durchführen.
- Automatischen Flug starten.
- Daten sichern.
- Photogrammetrische Verarbeitung.
- GIS-Auswertung.
- Interpretation der Ergebnisse.
- Erstellung von Maßnahmenkarten.
- Dokumentation.
Diese strukturierte Vorgehensweise verbessert die Vergleichbarkeit mehrerer Missionen und erleichtert die spätere Auswertung.
Eigene Erfahrungen dokumentieren
Ein wesentliches Merkmal professioneller Projekte ist die Dokumentation der Ergebnisse.
Empfehlenswert sind unter anderem:
- Datum und Uhrzeit der Mission.
- Wetterbedingungen.
- Windgeschwindigkeit.
- Temperatur.
- Luftfeuchtigkeit.
- Sensoren.
- Flugplattform.
- Flugsteuerung.
- Akkutyp.
- Flugzeit.
- Anzahl der Bilder.
- Überlappung.
- Softwareversionen.
Diese Informationen erleichtern spätere Vergleiche und erhöhen die Aussagekraft der Ergebnisse.
Messungen
Die Qualität einer Drohnenmission lässt sich anhand verschiedener Kennwerte bewerten.
Flugparameter
- Flugzeit
- Geschwindigkeit
- Flughöhe
- Akkuverbrauch
- Reichweite
Positionsdaten
- Anzahl der Satelliten
- HDOP
- RTK-Fix
- GNSS-Systeme
Bilddaten
- Anzahl der Bilder
- Bildüberlappung
- Bodenauflösung (GSD)
- Schärfe
- Belichtung
Photogrammetrie
- Anzahl der Passpunkte
- mittlere Lagegenauigkeit
- Höhenfehler
- Punktwolkendichte
Dokumentation
Ein vollständiger Projektbericht sollte enthalten:
- Projektbeschreibung.
- Zielsetzung.
- Flugplanung.
- Sensorik.
- Wetterbedingungen.
- Flugprotokoll.
- Messergebnisse.
- Karten.
- Orthofotos.
- Auswertung.
- Fazit.
Eine sorgfältige Dokumentation erleichtert die Nachvollziehbarkeit und schafft eine belastbare Grundlage für spätere Vergleiche oder Veröffentlichungen.
Fazit
Praxisprojekte zeigen den eigentlichen Mehrwert moderner Agrardrohnen. Erst durch die Verbindung von Flugplattform, Sensorik, präziser Navigation und strukturierter Auswertung entstehen verwertbare Informationen für die landwirtschaftliche Praxis.
Eine systematische Dokumentation mit Messwerten, Karten und Erfahrungsberichten erhöht nicht nur die Qualität der Projekte, sondern ermöglicht auch eine kontinuierliche Optimierung zukünftiger Missionen.